Ursula Baatz, Hans Belting, Isolde Charim, Navid Kermani, Andrea Saleh:
Ein erstes Buch zur Mohammed-Karikaturen-Krise – leider ohne tiefgründige Analyse und Klarsicht!
Von Felix Struening
Im Februar 2006 tobte die islamische Welt: Demonstrationen, Flaggenverbrennungen und gestürmte Botschaften dominierten die Nachrichten. Was war geschehen? Die konservative dänische Zeitung Jyllands-Posten hatte zwölf Karikaturen des Propheten Mohammed abgedruckt. Was zunächst ohne Folgen blieb, wurde von einer Gruppe dänischer Imame zur weltweiten Krise aufgeputscht. Die Muslime fühlten sich plötzlich beleidigt und das Abbildungsverbot ihres Propheten war missachtet worden. Ein knappes Jahr später erschien nun ein erstes Buch, das sich mit der Krise der Mohammed-Karikaturen auseinandersetzt.
Schwieriges Thema mit hohen Erwartungen
Damit begibt sich das eher essayartige Büchlein auf ein gefährliches Terrain. In Zeitungen und Medien ausführlichst diskutiert, brennt das Thema natürlich auf eine systematische und wissenschaftliche Analyse. Diesen Erwartungen können die gerade mal 70 Seiten des Werkes natürlich nicht gerecht werden. Es ist die Niederschrift einer Podiumsdiskussion der Reihe ‚Wiener Vorlesungen’ vom 1. März 2006 und aufgrund dessen auch schon etwas veraltet. Nachfolgende Entwicklungen im so genannten Karikaturenstreit konnten nicht mehr beachtet werden. Dennoch erhofft sich der Leser von den fünf Autoren einen tiefer bohrenden Ansatz, als die Medien es boten. Leider schaffen dies nur Isolde Charim mit ihrem Artikel zur totalitären Anwendung der Religion und Hans Belting mit seiner Einordnung des Konfliktes in den größeren Zusammenhang bildlicher Kulturen.
Political Correctness & Verdrängung
Immer wieder versuchen die anderen Autoren, vom eigentlichen Konflikt abzulenken und drängen die Zeitung Jyllands-Posten in die rechte Ecke, wo sie nach allgemeiner medientheoretischer Einschätzung nicht anzusiedeln ist. In typischer Gutmenschensprache wird aus lauter political correctness mit dem Finger nur zurück auf Europa gezeigt. Kaum ein Satz fragt nach den täglichen Beleidigungen der Juden und Amerikaner in den arabischen und iranischen Zeitungen, nach den Drohungen der Muslime bei Demonstrationen in Europa und der Sicherheit der dänischen Redakteure und Karikaturisten. Stattdessen wird verharmlost, verleugnet und zurechtgeredet. Ein trauriges Bild, das sich in vielen unkritischen Veranstaltungen zum Thema widerspiegelte.
Zu wenig Tiefgang – kaum Kontroverse
Letztendlich bietet das Buch viel zu wenig Tiefgang und Analyse. Es werden fast nur Fakten wiederholt und ein wenig gedeutet, somit bleibt es ein Zeitungsartikel in Buchform. Hinzu kommt die verblendete Sichtweise der meisten Autoren auf den Kern des Problems. Schließlich kann man nur zustimmend mit einem der Autoren, Navid Kermani, sagen: „Es gibt an dem Verhalten der Randalierer vieles zu erklären (etwa die Instrumentalisierung durch diktatorische Regimes), aber nichts zu entschuldigen.“ Es bleibt zu hoffen, dass tiefgründigere Analysen folgen werden.
(Rezensiert am: 2007-03-15)
Ursula Baatz, Hans Belting, Isolde Charim, Navid Kermani, Andrea Saleh: Bilderstreit 2006: Pressefreiheit? Blasphemie? Globale Politik?. , Picus Verlag Wien, 2007, ISBN-13: 9783854525226, 7.90 €
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